Wer muss wem ausweichen? Die Ausweichregeln auf See
Kurz gesagt
Auf See regeln die Kollisionsverhütungsregeln, wer ausweicht. Bei kreuzenden Kursen weicht das Fahrzeug aus, das das andere an Steuerbord hat. Bei entgegengesetzten Kursen weichen beide nach Steuerbord aus. Der Überholende weicht immer aus. Darüber liegt eine Rangfolge: Maschinenfahrzeuge weichen Segelfahrzeugen aus, diese wiederum fischenden, manövrierbehinderten und manövrierunfähigen Fahrzeugen.
Die drei Grundfälle unter Maschine
| Situation | Regel | Wer weicht aus |
|---|---|---|
| Entgegengesetzte Kurse, ihr fahrt aufeinander zu | Regel 14 | Beide. Jeder hält nach Steuerbord, sodass ihr Backbord an Backbord passiert. |
| Kreuzende Kurse | Regel 15 | Das Fahrzeug, das das andere an Steuerbord hat. Kurz: Wer den anderen rechts sieht, weicht aus. |
| Überholen | Regel 13 | Immer der Überholende — auch dann, wenn er ein Segelfahrzeug ist und der Überholte ein Maschinenfahrzeug. |
Die Rangfolge der Fahrzeuge (Regel 18)
Wenn zwei Fahrzeuge unterschiedlicher Art aufeinandertreffen, gilt eine feste Reihenfolge. Von oben nach unten hat Vorrang:
- Manövrierunfähiges Fahrzeug — es kann nicht ausweichen, also weichen alle anderen
- Manövrierbehindertes Fahrzeug — etwa beim Baggern, Kabellegen oder Schleppen
- Fischereifahrzeug beim Fischen — nicht jedes Boot mit Angel, sondern Fischerei mit Netz oder Schleppgerät
- Segelfahrzeug unter Segel
- Maschinenfahrzeug
Segelfahrzeuge untereinander (Regel 12)
Treffen zwei Segelfahrzeuge aufeinander, entscheidet der Wind:
- Wind von verschiedenen Seiten: Das Fahrzeug mit Wind von Backbord weicht aus.
- Wind von derselben Seite: Das luvwärtige Fahrzeug weicht dem leewärtigen aus.
- Im Zweifel, weil du nicht erkennst, woher der andere den Wind bekommt: Du weichst aus.
Ausweichen heißt: früh, deutlich und sichtbar
Ein Ausweichmanöver muss so rechtzeitig und so groß ausfallen, dass der andere es auch erkennt (Regel 8). Eine Kursänderung um wenige Grad sieht auf der anderen Brücke niemand. Kursänderungen sind dabei besser sichtbar als Geschwindigkeitsänderungen.
Der andere ist derweil Kurshalter: Er hält Kurs und Fahrt bei (Regel 17). Erst wenn klar wird, dass der Ausweichpflichtige nicht handelt, darf und muss auch er eingreifen. Und wenn eine Kollision anders nicht mehr zu vermeiden ist, gilt das immer — die Ausweichregeln entbinden niemanden davon, einen Zusammenstoß zu verhindern.
Nachts entscheidet die Lichterführung
Alle diese Regeln setzen voraus, dass du weißt, was du da vor dir hast. Bei Tag siehst du es. Bei Nacht siehst du nur Lichter, und daraus musst du erst ableiten, ob das ein Segler, ein Fischer oder ein manövrierunfähiges Fahrzeug ist — und in welche Richtung es fährt.
Deshalb hängen Lichterführung und Ausweichregeln in der Prüfung zusammen: Erst erkennen, dann entscheiden.
Üben statt lesen
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Wie der Simulator funktioniertHäufige Fragen dazu
Gelten die Ausweichregeln auch auf Binnengewässern?
Nein. Auf Binnenschifffahrtsstraßen gilt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung mit eigenen Regeln, etwa dem Vorrang des Talfahrers vor dem Bergfahrer. Die Kollisionsverhütungsregeln gelten auf See.
Hat ein Segelfahrzeug immer Vorrang vor einem Motorboot?
Nein. Beim Überholen weicht immer der Überholende aus, auch wenn er segelt. Und in engen Fahrwassern sowie Verkehrstrennungsgebieten darf ein Segelfahrzeug ein Fahrzeug behindern, das nur dort sicher fahren kann.
Was ist der Unterschied zwischen manövrierunfähig und manövrierbehindert?
Manövrierunfähig ist ein Fahrzeug, das wegen eines außergewöhnlichen Umstands nicht mehr manövrieren kann, etwa nach einem Maschinenschaden. Manövrierbehindert ist es, wenn die Arbeit, die es gerade ausführt, das Manövrieren einschränkt, etwa beim Baggern oder Kabellegen.
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Stand: 2026-08-07. Dieser Ratgeber gibt den Sachstand allgemein wieder und ersetzt keine amtliche Auskunft. Verbindlich sind die jeweils geltenden Vorschriften und die Angaben der prüfenden Verbände.